Mittelaltergürtel

384 0 Comments 2 Heimwerken 07 July 2018, 13:10 by
Level
Schwer
Duration
1,00 Hours
Cost
10,00 EUR
Du brauchst

  • Gürtelschnalle, Lederriemen (4mm, vegetatibel gegerbt), Lederfarbe (Oil Dye), Nieten, Stahlblech (1mm)

  • Feile
  • Hammer
  • Lederwerkzeuge (diverse)
Project Description:
Das Projekt: Ein Gürtel, mittelaltermarkttauglich. Es sollte ein verzierter Gürtel sein, mit Blech und Leder; nicht tauglich als Schwertgurt, sondern "nur" zum schnüren der Gewandung und bestenfalls für Gürteltaschen. Anbei abgebildet ist ein Ausschnitt meines damaligen Sammelsuriums an Schnallen und Nieten, größtenteils messing- und silberfarben, über Jahre hinweg zusammengetragen von diversen Märkten und online-Bestellungen. Ich entschied mich für eine silberne Schnalle mit Verzierungen. Ich begann mit einer Farbskizze im Maßstab 1:1. Das Design des Gürtels würde Elemente der Schnalle übernehmen. So entspricht etwa die Gürtelspitze (kein Metall, nur punziert und gefärbt) der Form der mittleren Verzierung auf der Schnalle. die andere Verzierung entspricht den Zwischenräumen der Verzierung auf der Schnalle und auch die Form des Blechs wurde passend geformt. Leder und Schnalle wollte ich mit einem Stück Blech verbinden. Das geht auch einfacher: man könnte das Leder direkt um die Schnalle wickeln. Aber man will ja auch neue Dinge ausprobieren (normale Gürtel hatte ich bereits ein halbes dutzend hergestellt). Aus einem Stahlblech schnitt ich mit Blechscheren die Form des Stücks heraus. Mit Feilen wurden die Scharfen Kanten entgratet und mit einem Hammer vorsichtig Biegungen geglättet. Das Blech wurde auf einem großen Hammer als Miniamboss in eine U-Form gebogen. Schließlich benutzte ich eine Rundfeile, um eine Aussparung für den Dorn der Schnalle zu feilen. Dieser muss groß genug sein, dass der Dorn sich noch drehen kann. Zuletzt bohrte Löcher für die Nieten und fügte Blech und Schnalle mit Nieten zusammen. Weiter ging es mit dem Leder. Die Breite des Riemens hängt von der inneren Breite der Schnalle ab, denn hier muss das Leder ja beim Schließen des Gürtels durch. Das Leder ist 4mm dick; es handelt sich um vegetatibel gegerbtes Rindsleder (Vollleder), welches sich gut punzieren lässt. Übrigens habe ich den Gürtel exakt auf meinen (damaligen) Körperumfang abgemessen, sodass er nur ein einziges Loch bekam. Nachdem ich die Konturen der Verzierungen aufgezeichnet und mit einem Skalpell nachgezogen hatte - eine Arbeit, die Geduld und Fingerspitzengefühl erfordert, da hiervon abhängt, ob die Verzierung gelingt, oder nicht und man nur einen Versuch hat - wurde das umgebende Leder der Verzierungen mit einem Falzbein eingedrückt, sodass die Verzierungen wie ein Relief leicht hervorstanden. Der Großteil des Gürtels - auch die Innenseite - wurde nun dunkelbraun mit "Oil Dye" eingefärbt, außer zwischen den Verzierungen. Für die Flächen benutzte ich Dauber (Wollbällchen auf Draht), aber im Bereich der Verzierungen musste ich sehr vorsichtig mit einem guten Haarpinsel arbeiten. Ein Ausrutscher, und die Farbe wäre da gewesen, wo ich sie nicht hätte haben wollen. Und die kann man nicht wieder entfernen! Das Ergebnis ist ein sehr edel aussehender Gürtel. Ich will nicht verschweigen, dass man mit den Zacken des Blechs beim Anziehen aufpassen muss, um sich nicht daran zu pieksen, aber beim Tragen geht es. Man darf halt nur nicht zunehmen, was der Grund ist, warum ich den Gürtel jetzt schon eine Weile nicht mehr tragen konnte ;-) Design & Ausführung: BERNDWERK